In Würde sich selbst verlieren

Neue Wege in der Betreuung Demenzkranker

Es kann uns alle treffen – als Betroffene oder Angehörige. Demenz: die große Herausforde­rung unserer immer älter werdenden Gesell­schaft. Etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit bereits an Demenz erkrankt; für das Jahr 2030 prognostizieren Wissenschaftler so­gar einen Anstieg auf rund 2 Millionen.<--break->

Zwei Drittel der Erkrankten werden heute von ihren Angehörigen zu Hause betreut. Denn wirk­lich gute Betreuungsmöglichkeiten für Demen­zerkrankte sind rar. Demenz ist ein Abschied auf Raten. Für Angehörige von Demenzpatienten kommt zur Trauer über den Verlust des gelieb­ten Menschen, wie man ihn einmal kannte, schnell die enorme körperliche und psychische Belastung, die sich aus der täglichen Pflege des Kranken ergibt.

Renate Lange steht noch voll im Berufsleben. Uli Lange, 62, leidet bereits seit seinem 58. Lebens­jahr an Demenz und gilt somit als „Früherkrank­ter“. Renate Lange hat es geschafft, während ih­rer Arbeitszeiten verschiedene Betreuungsmög­lichkeiten für ihren Ehemann zu organisieren. So kann er weiterhin zuhause in seiner gewohn­ten Umgebung leben. Tagsüber ist er dann unter anderem Gast – so werden die zu Betreuenden hier genannt – im „RosenGarten“, einer Tages­betreuungseinrichtung in München-Allach. „Im 'RosenGarten' darf jeder Gast so sein wie er ist, auch wenn er nicht mehr der Norm entspricht“, so die Diplom-Sozialpädagogin und Gründerin des „RosenGarten“ Sonja Brandtner. „Wir leben eine familiäre Atmosphäre und binden unsere Gäste nach ihren Möglichkeiten in die alltägli­chen Abläufe ein. Und wenn einer unserer Gäste Erdbeeren schälen will, dann kann er das tun. Und wenn ein Gast den ganzen Tag singt, dann hören wir ihm zu.

Auch Alice Frenzel war vor ein paar Jahren noch Gast im „RosenGarten“. Doch als die gut 90-Jährige immer öfter auch noch spät abends kilo­meterlange Spaziergänge unternahm, ent­schlossen sich ihre Töchter, sie in einer Wohn­gemeinschaft des Münchner Vereins „wohlBE­DACHT“ unterzubringen. Für die zehn dementi­ell erkrankten WG-Bewohner schaffen dort täg­lich vier Betreuungspersonen ein möglichst fa­miliäres Umfeld. Auch hier ist das Motto: Selbst­bestimmt leben und die Alltagsfähigkeiten so lange wie möglich fördern.
Gast im Lebensformen-Studio ist Siegfried Ben­ker, Fraktionsvorsitzender der Münchner Grü­nen, der sich seit vielen Jahren für die Förde­rung alternativer Betreuungsmöglichkeiten für Senioren engagiert.

 

Studiogast: Siegfried Benker, Fraktionsvorsitzender der Münchner Grünen
Filmbeiträge von Monika Manoutschehri
Moderation Christine Büttner
Redaktion Heike Springer

 

Links zur Sendung

RosenGarten - Tagesbetreuung für Demenzkranke

wohlBEDACHT e.V - WG für demtiell Erkrankte

Allzheimer Gesellschaft München - wertvolle Tipps und Links zum Thema Alzheimer/Demenz

Demenz-WGs in Bayern - eine Übersicht

Bayern Evangelisch Themenspezial Demenz

Caritas-Zentren München und Region

Kompetenzzentrum Demenz München - derzeit im Bau, Fertigstellung geplant für 2013, Kooperation der Arbeiterwohlfahrt und der Diakonie Neuendettelsau

Diakonie Magazin Spezial Demenz

Verbraucherzentrale Bayern - Tipps für Angehörige von Demenzpatienten

Ambulanter Gerontopsychiatrischer Verbund Bayern AGVB - eine Vielzahl von Links zum Thema Demenz/Alzheimer

Deutsche Alzheimer Gesellschaft Landesverband Bayern

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