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Philipp Melanchthon - Eine Spurensuche Drucken E-Mail

 

Am 19. April 2010 jährte sich der Todestag des Reformators und Humanisten Philipp Melanchthon zum 450. Mal. Zwar würdigte ihn ein großer Festakt in der Wittenberger Schlosskirche, an dem auch Bundeskanzlerin Merkel teilnahm, dennoch ist Melanchthon im öffentlichen Bewusstsein eine vage Größe geblieben, jedenfalls im Vergleich zu seinem Zeitgenossen Martin Luther. Das evangelische Fernsehen München geht mit seiner Dokumentation auf eine überaus anregende Spurensuche: Filmemacherin Monika Manoutschehri besucht unter anderem Bretten, Heidelberg, Tübingen und Wittenberg, wo der „Praeceptor Germaniae“, der Lehrer Deutschlands gelebt und gewirkt hat: … Was erinnert an ihn und wie erinnert man sich seiner? Welche Bedeutung hat er für uns heute?

 

Melanchthon war nach heutigen Maßstäben ein Wunderkind und Wissenschaftsstar. 1497 als Sohn eines Rüstmeisters und Waffenschmieds im baden-württembergischen Bretten geboren, schließt er sein Studium mit 17 Jahren als Magister in Tübingen ab. Der Geistesriese der deutschen Reformation ist ganze 150 Zentimeter groß und von schmaler Statur, hat einen zarten, hageren Kopf mit fast übergroßen Augen und lispelt leicht. Mit 21 wird er als Griechischprofessor nach Wittenberg berufen. Ein Dokument aus dem Rechnungsbuch der Universität belegt, dass Melanchthon 1559 der höchstbezahlte Wissenschaftler der Stadt ist. Seine Antrittsvorlesung, in der er sich für eine Universitätsreform und die Rückkehr zu den antiken Quellen ausspricht, sorgt für Furore und findet Luthers Sympathie. Sein Griechischlehrbuch von 1518 wird über vierzigmal neu aufgelegt, das humanistische Gymnasium gilt als seine Schöpfung. Ohne sein Zutun ist Luthers Übertragung der Bibel aus dem Griechischen ins Deutsche kaum denkbar. Melanchthon avanciert zum Chefdiplomaten der Reformation, weil Luther seit 1521 unter Reichsacht steht. Der anfangs etwas skeptische Martin Luther urteilt schon bald über ihn: „Dieser kleine Grieche übertrifft mich sogar in der Theologie. Vielleicht bin ich nur der Vorläufer Philipps.“ Trotz all dieser Verdienste ist der Universalgelehrte und Theologe, Bildungspolitiker und Diplomat fast vergessen.

Sein Anspruch „Bildung für alle“ ist jedenfalls so aktuell wie eh und je.

 

 

Ein Film von Monika Manoutschehri