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Am 31. Oktober 1517 schlägt Martin Luther 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Zuvor war in ihm die Überzeugung gereift, dass sich die Zuwendung und Liebe Gottes weder erzwingen noch durch Leistung verdienen lässt, sondern im Glauben geschenkt wird. An diesen großen Moment erinnert der Reformationstag, den die evangelischen Christen jährlich am 31. Oktober feiern.


In Eisleben ist Martin Luther geboren und gestorben, in Erfurt wurde er promoviert und zum Priester geweiht, in Wittenberg hat er gewirkt und gelebt − ein wahrer Held Ostdeutschlands auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick hat der Reformator in Bayern nachhaltige Spuren hinterlassen. Axel Mölkner-Kappl hat sich zu Beginn der Luther-Dekade für das Evangelische Fernsehen München auf Spurensuche in Bayern begeben.

Die bayerisch-schwäbische Stadt Augsburg leiht bis heute dem lutherischen Bekenntnis, der „Confessio  Augustana“ ihren Namen. Luther wird hier im Oktober 1518 vom päpstlichen Gesandten Kardinal Cajetan verhört, soll widerrufen, am Ende muss er fliehen. „Nürnberg ist das Aug und Ohr Deutschlands“, weiß Luther, und so werden an diesem Handelsplatz in der Mitte Europas seine Werke in deutscher Sprache gedruckt, von hier aus verbreiten sich seine Thesen weiter. 1525 führt die freie Reichsstadt als erste die Reformation ein.
Im ehemals sächsischen und heute bayerischen Coburg lebt Luther 1530 ein halbes Jahr, bewacht und beschützt auf der Veste, argumentiert brieflich in alle Welt, während eine große  Delegation auf dem Reichstag in Augsburg seine neue Lehre vertritt und das Augsburger Bekenntnis vorlegt. So dürfen sich drei bayerische Städte Lutherstädte nennen.
Luthers Absicht war nicht, eine neue Kirche zu gründen. Zur Trennung der Konfessionen haben vielfältige, darunter auch ganz weltliche Faktoren beigetragen. 1555 ermöglicht der  Augsburger Religionsfrieden erstmals das friedliche Zusammenleben von  Katholischen und Evangelischen. Das war freilich nicht immer ganz  einfach. Städte und Orte trennte oft eine teils sogar sichtbare konfessionelle Mauer: Dinkelsbühl, Kempten oder das kleine Oettingen im Donauries zum Beispiel. Luther hat in Bayern große Spuren hinterlassen – 2,7  Millionen Evangelische leben heute hier.

 

 

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