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Eine bayerische Boygroup der besonderen Art porträtiert Lebensformen in einer Sonderausgabe zu Weihnachten: Doch klingt der Windsbacher Knabenchor eher wie ein wunderbar gestimmtes Instrument denn wie ein vielstimmiger Chor. Für die unverwechselbare Stimmfarbe und die viel gerühmte Stimmkultur ist seit 30 Jahren Karl-Friedrich Beringer verantwortlich. Der heute 61-jährige Leiter und Dirigent hat die Jungs aus der fränkischen Provinz mit viel Disziplin und Strenge zu einem Spitzenensemble geformt. Das Lukas-Wort „Wem viel anvertraut ist, von dem wird auch viel gefordert“ könnte sein pädagogisches Credo sein. Das geht nicht immer ohne Konflikte mit den jungen Sängern und manchen Eltern ab.
Rund 150 Köpfe zwischen 9 und 19 Jahren zählen die Windsbacher insgesamt, allerdings sind da auch die etwa 35 Neulinge und vielen Stimmbrüchler mitgezählt, die nicht zu den etwa 50 Konzerten jährlich reisen. Ihr Zuhause haben die jungen Sänger im Internat, dort finden auch Stimmbildung, Musiktheorie, die tägliche Chorprobe und verpflichtende Studierzeit statt. Im externen Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium gibt’s für die Jungs spezielle Chorklassen. Der Tagesplan der Choristen ist straff, die Freizeit knapp.
In Windsbach ist Johann Sebastian Bachs Anspruchs spürbar, die Musik in den Dienst der Botschaft zu stellen. Deshalb ist das Repertoire der Windsbacher geistlich geprägt und reicht von der Renaissance bis zur Moderne. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern steuert fast 30 Prozent zum Unterhalt von Ensemble und Internat bei.
Ursula Auginski hat die Windsbacher im Schul- und Probenalltag beobachtet, zeigt Licht- und Schattenseiten einer Elitepädagogik. Und sie begleitetet den so wunderbar homogenen, voluminösen, kraftvollen und geschmeidigen Chor zu einem vorweihnachtlichen Konzert in der prachtvollen Jakobskirche in Oettingen.
Ein Film von Ursula Auginski |