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„Ob der Philipp heute still wohl bei Tische sitzen will?“, fragt der Vater ungehalten. Wer kennt die berühmte Geschichte vom Zappel-Philipp nicht?
In vielen Familien und Klassenzimmern ist mühsamer Alltag, was der Kinderarzt Heinrich Hoffmann im Jahr 1845 erstmals beschrieb. Lebten Philipp oder der junge Isaac Newton, Leonardo da Vinci, Winston Churchill und Albert Einstein heute, müssten sie sich vermutlich die Diagnose Hyperaktivität, Hyperkinetisches Syndrom (HKS) oder Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS) gefallen lassen. Je nachdem, ob die AD(H)S-Kriterien enger oder weiter gefasst werden und ob das Urteil der Eltern oder das der Erzieher maßgeblich ist, betrifft diese Störung in Deutschland zwischen 3,9 und 6,3 Prozent der Kinder. Jungen sind mindestens dreimal häufiger betroffen als Mädchen.
In der Januar-Sendung porträtiert das Beratungsmagazin Lebensformen Familie Bauer aus München. Florian Bauer, 6, leidet an ADHS, seine Schwester Carla, 10, an ADS. Die Störung belastet die Kinder ebenso wie die Eltern. Carla und Florian erzählen, wie sie selbst ihre Störung erleben und wie die medikamentöse AD(H)S-Behandlung ihren (Schul-)Alltag verändert hat. Die wöchentliche Therapiestunde bei Montessori-Therapeutin Elisabeth Mögele macht Florian sichtlich Spaß und bringt Ruhe und Ordnung in seinen Tagesablauf. Während Carla und Florian eine Regelschule besuchen, werden AD(H)S-Kinder unter anderem in der heilpädagogisch ausgerichteten Wichernschule gefördert. In besonders kleinen, speziell ausgestatteten Klassen berücksichtigt man dort nicht nur die Schwächen, sondern geht ganz besonders auch auf die individuellen Stärken der Schüler ein.
Etwa die Hälfte der AD(H)S-Betroffenen nimmt die genetisch mitverursachte Regulationsstörung ins Erwachsenenalter mit, wenn sich auch manche Symptome (wie die motorische Unruhe) ändern. Dr. Adam Alfred, Kinder- und Jugendpsychiater und Leiter des AD(H)S-Zentrums in München, erläutert im Studiogespräch mit Moderator Lui Knoll Ursache und Symptome, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten von AD(H)S. Ziel ist: ein eigenes Verständnis des Anders-Seins zu entwickeln und das So-Sein zu unterstützen. Denn nur eine Behandlung kann einen schulischen Leidensweg und später schwierigen Lebensweg verhindern und das individuelle Entwicklungspotential ausschöpfen.
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