|
Jüdisches Leben in Bayern |
|
|
|

Als die jüdische Gemeinde Straubings im September 1897 ihren Betsaal in der Rosengasse feierlich einweiht, vermerkt ein unbekannter Autor: „Bei den Israeliten herrscht schöne Eintracht und sie leben mit den Andersgläubigen in schönstem Frieden“. Nicht immer ging es allerdings in Straubing so harmonisch zu. Nach der Vertreibung der jüdischen Straubinger im 15. Jahrhundert, war erst wieder 1897 die Gründung einer Israelitischen Kultusgemeinde offiziell gestattet worden. Nach nationalsozialistischer Diskriminierung und Enteignung, Vertreibung und Deportation knüpften alteingesessene Straubinger gemeinsam mit Holocaust-Überlebenden an die Tradition der Vorkriegsgemeinde an. Mittlerweile ist die Israelitische Kultusgemeinde Straubing vor allem durch die Kontingentflüchtlinge aus Osteuropa erheblich gewachsen und zur zweitgrößten Bayerns geworden.
Für Lebensformen, dem Magazin des Evangelischen Fernsehens, ging Axel Mölkner-Kappl dort der Frage nach, wie Juden heute in Bayern leben. Die Jüdin Svetlana Zap kam 1993 aus Kiev/Ukraine nach Straubing − gemeinsam mit Mann und Eltern. Ihre Kinder Daniela (6) und Alex (12) sind in Straubing geboren. Svetlana Zap kennt sich mittlerweile mit Behörden, Krankenkassen und Schulfragen aus, für die Zuzügler aus dem Osten ist sie daher erste Anlaufstelle für viele Probleme des Alltags in Deutschland. Daniela und Alex lernen in der Gemeinde jüdische Traditionen kennen, können hier Religions- und Sprachunterricht erhalten; denn die Familie feiert zwar Feste wie Chanukka, geht aber nicht an jedem Shabbat in die Synagoge. „Feiertagsjüdin“, das sagt auch Anna Zisler, die Geschäftsführerin der Gemeinde von sich. Sie ist im Haus neben der Synagoge geboren, eng verbunden mit der Gemeinde; ihr Vater Israel Offman hat den Holocaust überlebt − anders als Eltern und Geschwister − und die Gemeinde nach dem Dritten Reich wieder neu belebt. Mit seinen 82 Jahren steht er ihr noch heute vor. Die Synagoge, die gerade 100 Jahre alt geworden ist, ist der Mittelpunkt seines Lebens. Das ist nicht mehr selbstverständlich. Die Integration der Neubürger ist Herausforderung und Chance zugleich für diese wie viele andere jüdische Gemeinden. zur DVD
|