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Liebe rostet nicht, weiß der Volksmund, will das aber auf ältere Menschen lieber nicht und auf die gleichgeschlechtliche Liebe schon gleich gar nicht angewandt wissen. Wer schwul und bereits im Rentenalter ist, kann in der eigenen Szene kaum mehr auf Anschluss und im gesellschaftlichen Umfeld oft noch nicht einmal auf Toleranz hoffen. Vielen ganz alten Homosexuellen hat sich zudem die Strafverfolgung der Nazi- und Adenauerzeit tief in die Seele gebrannt.
Harry Raymon ist einer von ihnen. Der heute Achtzigjährige ist Jude, von Beruf Schauspieler und Regisseur und bekennend schwul. Trotz zu befürchtender Vorbehalte und Diskriminierung entschied er sich 1950 zur Rückkehr nach Deutschland. „Unbeschwert“ schwul sein konnte er erst nach der Reform des Sexualstrafrechts 1969. Vor gut zwei Jahren hat ihn sein Partner verlassen — wegen eines Jüngeren. Schwule Freunde hat er heute keine mehr. Schwule möchten im Alter ihr So-Sein nicht (mehr) verstecken müssen. Sie sehnen sich nach vorbehaltlosem menschlichem Kontakt, manche wollen nicht von einer Frau gepflegt werden, viele erschreckt der Schritt in die Abhängigkeit aus Gebrechlichkeit. Nur zögerlich entdeckt die traditionelle Altenhilfe die besonderen Bedürfnisse homosexueller alter Menschen. So plant die Innere Mission München derzeit eine Schwule-Senioren-WG. Die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen der Stadt München hat sich das Schwule Patenprojekt einfallen lassen. Mirko Riedl, 27 Jahre, kümmert sich dort um einen fast erblindeten Neunzigjährigen, liest ihm vor, macht Ausflüge mit ihm. Wenn Harry Raymon und der siebzigjährige Kunstmaler Peter Schauwecker in dieser Ausgabe der Lebensformen von ihren Erfahrungen erzählen und Mirko Riedl von seinem ehrenamtlichen Engagement, macht das Mut aufs Anders-, aufs Ich-Selbst-Sein. Und so wird das evangelische Beratungsmagazin einmal mehr seinem Titel Lebensformen aufs Schönste gerecht. zur DVD |