Home Sendungen 2006 Gehörlos - aber nicht sprachlos
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Gehörlos - aber nicht sprachlos Drucken E-Mail
Ungefähr jeder tausendste Deutsche ist gehörlos. Erst seit 2002 ist ihre Muttersprache, die Deutsche Gebärdensprache (DGS) als offizielle Sprache in Deutschland anerkannt. Ob Tanz, Theater oder Poesie - Gebärdensprache bildet die Grundlage der Gehörlosenkultur. So empfinden nicht wenige Gehörlose das sogenannte Cochlear Implantat (CI), geradezu als Bedrohung ihrer Gemeinschaft, ihrer Identität. Denn ein frühzeitig implantiertes CI kann nahezu jedes taube Neugeborene zu einem „hörenden“ machen.
Das evangelische Beratungsmagazin Lebensformen zeigt beide Wege. Damian, 22, ist mütterlicherseits, wie seine beiden Brüder Fabian, 23, und Kilian, 20, in der vierten Generation gehörlos. Damian und seine Brüder sind von Geburt an mit der Deutschen Gebärdensprache (DGS) aufgewachsen und beherrschen sie virtuos. Es ist eben − im umfassenden Sinne − ihre Muttersprache … und die Lautsprache bleibt für sie Fremdsprache. Nur ein Vehikel, um in der Welt der Hörenden zurecht zu kommen und um sich die notwendigen Ausbildungschancen zu sichern. Ihre Identität beziehen sie aus der Gehörlosen-Kultur. Ein Implantat war und ist für diese Familie kein Thema.
Anna, 21, bekam als 8-Jährige − und damit eigentlich viel zu spät − ein Cochlear Implantat. Mit viel Energie − und trotz schlechter Prognosen − hat sie gelernt, Sprache zu verstehen. Die Psychologie-Studentin kann sich heute in beiden Welten bewegen und genießt die Welt der Gebärden wie die der Lautsprache.
Weil und wie Mentalität Sprache bildet, aber Sprache auch Mentalität, wird in dieser Ausgabe der Lebensformen augenfällig. Es ist außerdem eine Sendung nicht nur über Gehörlose, sondern auch für Gehörlose. Damit beschritt das Evangelische Fernsehen München neue Wege.  zur DVD